Unter einem Kammerflimmern versteht man eine akut lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung, bei der die elektrische Aktivität in den Herzkammern extrem schnell und ungeordnet abläuft (Jalife, 2000; Engelke, Willy and Eckardt, 2020). In diesem Zustand schlägt das Herz mit einer Frequenz von über 550 Erregungen pro Minute, was dazu führt, dass die mechanische Pumpfunktion vollständig zum Erliegen kommt (Jalife, 2000).
Hier sind die wichtigsten Details zum Verständnis:
Was passiert im Herzen?
Normalerweise ziehen sich die Herzkammern koordiniert zusammen, um Blut durch den Körper zu befördern. Beim Kammerflimmern kommt es jedoch zu turbulenten elektrischen Wellen und multiplen Kreiserregungen (Jones and Tovar, 1996; Jalife, 2000). Dies führt dazu, dass das Herzmuskelgewebe nur noch ungeordnet zuckt („flimmert“), anstatt effektiv zu pumpen (Jalife, 2000). Die Folge ist ein sofortiger Herz-Kreislauf-Stillstand mit Bewusstlosigkeit und Pulsloigkeit (Monsieurs et al., 2015).
Ursachen für Kammerflimmern
Es gibt verschiedene Auslöser, wobei Herzerkrankungen die Hauptrolle spielen:
Akutes Koronarsyndrom: Ein Herzinfarkt oder eine akute Durchblutungsstörung des Herzmuskels ist die häufigste Ursache für das Auftreten von Kammerflimmern (Werdan et al., 2011; Engelke, Willy and Eckardt, 2020).
Strukturelle Herzerkrankungen: Dazu gehören Herzmuskelerkrankungen oder Herzklappenfehler (Szabó et al., 2020; Schimpf and Ravens, 2024).
Elektrische Erkrankungen: Genetische Defekte in den Ionenkanälen des Herzens können Rhythmusstörungen begünstigen (Szabó et al., 2020).
Weitere Faktoren: Elektrolytstörungen (z. B. Kaliummangel), Drogenmissbrauch oder Medikamenteninteraktionen können ebenfalls eine Rolle spielen (Szabó et al., 2020).
Idiopathisches Kammerflimmern: In manchen Fällen lässt sich trotz umfangreicher Diagnostik keine organische oder elektrische Ursache finden (Engelke, Willy and Eckardt, 2020; Schimpf and Ravens, 2024).
Behandlung und Notfallmaßnahmen
Kammerflimmern ist ein absoluter medizinischer Notfall. Ohne sofortige Behandlung sinkt die Überlebenschance mit jeder Minute ohne Defibrillation um etwa 7 % bis 10 % (Szabó et al., 2020).
Reanimation: Sofortige Herzdruckmassage durch Ersthelfer ist entscheidend, um den minimalen Blutfluss aufrechtzuerhalten (Monsieurs et al., 2015).
Defibrillation: Die einzige effektive Methode, um das Kammerflimmern zu beenden, ist ein elektrischer Schock durch einen Defibrillator (Dosdall, Fast and Ideker, 2010). Dieser Schock sorgt dafür, dass alle Herzmuskelzellen gleichzeitig depolarisiert werden, was dem Herzen die Chance gibt, wieder einen normalen Rhythmus aufzunehmen (Jones and Tovar, 1996; Dosdall, Fast and Ideker, 2010).
Langzeittherapie: Patienten, die ein Kammerflimmern überlebt haben, erhalten oft einen implantierbaren Kardioverter-Defibrillator, der im Falle eines erneuten Flimmerns automatisch einen Schock abgibt (Dosdall, Fast and Ideker, 2010; Engelke, Willy and Eckardt, 2020).