Als maligne (bösartige) Herzrhythmusstörungen werden solche Arrhythmien bezeichnet, die unmittelbar lebensbedrohlich sind und unbehandelt zum plötzlichen Herztod (SCD – Sudden Cardiac Death) führen können (Trappe and Arntz, 2011; Franke, 2022).
Im Gegensatz zu „benignen“ (gutartigen) Rhythmusstörungen, die oft nur als Herzstolpern wahrgenommen werden, beeinträchtigen maligne Formen die Pumpfunktion des Herzens so massiv, dass der Kreislauf zusammenbricht (Trappe, 2009; Gimeno-Blanes et al., 2016).
Hier sind die wichtigsten Merkmale dieser Störungen:
1. Die Hauptformen
Maligne Rhythmusstörungen entstehen meist in den Herzkammern (ventrikulär). Zu den häufigsten Mechanismen gehören:
Ventrikuläre Tachykardie: Ein extrem schneller Rhythmus aus der Kammer, der oft in Kammerflimmern übergeht (Gimeno-Blanes et al., 2016).
Kammerflimmern: Eine völlig ungeordnete elektrische Aktivität, bei der keine mechanische Pumpleistung mehr erfolgt (Jalife, 2000; Gimeno-Blanes et al., 2016).
Asystolie: Der vollständige Stillstand der elektrischen und mechanischen Herzaktion (Gimeno-Blanes et al., 2016).
Bradyarrhythmien: In selteneren Fällen können auch extrem langsame Rhythmen lebensbedrohlich sein (Eckardt and Perings, 2023).
2. Ursachen und Risikofaktoren
Häufig treten diese Störungen auf dem Boden einer bereits geschädigten Herzstruktur auf:
Herzinsuffizienz: Der Schweregrad einer Herzschwäche und das Ausmaß der linksventrikulären Pumpfunktionsstörung sind entscheidende Parameter für das Risiko maligner Arrhythmien (Trappe, 2009; Trappe and Arntz, 2011).
Akute Ereignisse: Ein Herzinfarkt ist der häufigste Auslöser (Engelke, Willy and Eckardt, 2020). Bei etwa 50 % aller plötzlichen Todesfälle ist der Herzstillstand sogar das erste Anzeichen einer Herzerkrankung (Trappe and Arntz, 2011).
Elektrolytstörungen: Insbesondere schwere Abweichungen des Kaliumspiegels können lebensbedrohliche Arrhythmien wie Kammerflimmern oder Asystolie auslösen (Truhlář et al., 2015).
Genetik: Es gibt angeborene Syndrome, bei denen maligne Rhythmusstörungen auch bei strukturell völlig herzgesunden Menschen auftreten können (Trappe, 2009; Schimpf and Ravens, 2024).
3. Bedeutung für den plötzlichen Herztod
Der plötzliche Herztod zählt weltweit zu den häufigsten Todesursachen und ist für bis zu 50 % aller kardiovaskulären Todesfälle verantwortlich (Eckardt and Perings, 2023). Etwa zwei Drittel dieser Fälle basieren auf ventrikulären Tachyarrhythmien (Eckardt and Perings, 2023).
4. Behandlung und Prophylaxe
Da diese Rhythmusstörungen akut lebensbedrohlich sind, ist die Defibrillation die wichtigste Akutmaßnahme bei Kammerflimmern oder pulsloser ventrikulärer Tachykardie (Dosdall, Fast and Ideker, 2010; Gimeno-Blanes et al., 2016). Zur langfristigen Vorbeugung erhalten betroffene Patienten häufig einen implantierbaren Kardioverter-Defibrillator, der maligne Rhythmen erkennt und automatisch beendet (Trappe and Arntz, 2011; Engelke, Willy and Eckardt, 2020).